Zwei Mütter unterhalten sich beim Einkauf. Sagt die eine: „Mein Sohn hat gestern bei der Mathearbeit eine Zwei geschrieben. Ich bin total stolz!“ Darauf die andere: „Mein Sohn hat in der gleichen Arbeit eine Eins geschrieben, und das ohne zu lernen.“
Da geht die eine Mutter traurig nach Hause. Ihr Mann fragt: „Warum guckst du so finster? Unser Sohn hat eine Zwei in Mathe geschrieben – das ist ein Grund zum Feiern! Ich habe schon den Grill angeworfen.“ Sagt die Mutter: „Ja, aber jetzt fühlet sich die Zwei an wie eine Sechs…“
Der Philosoph Søren Kierkegaard sagte einmal: „Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.“ Oder ganz kurz: „Alle Not kommt vom Vergleichen!“
Wie gut tut es mir, wenn man mir zustimmt oder wenn ich Anerkennung für Geleistetes bekomme. Beliebt zu sein oder Erfolg zu haben, was gibt es Schöneres? So richtig bedeutsam aber werden diese Werte, wenn wir darin besser abschneiden als andere.
Wir geraten in Konkurrenz, und die kann wirklich Not bereiten. Nicht selten geht es im Streit nur scheinbar um die Sache. Eigentlich wird etwas anderes ausgetragen.
- Auf wen wird hier gehört?
- Wer hat mehr Durchsetzungsvermögen?
- Wessen Sichtweise hat mehr Gewicht? Wer ist beliebter?
Dann gibt es noch dieurteilenden Beobachter, die sich selbst gar nicht zeigen aber das Ganze anschauen, um hinterher festzustellen, wer was „drauf hat“ und wer eher nicht. Darüber wird sich ausgetauscht. Es entstehen Stimmungen, Urteile verstärken sich und werden weitergegeben. Das Unheil nimmt seinen Lauf…
Ich denke viel darüber nach, in welchen Beurteilungsketten wir stecken und was das mit uns macht. Die jungen Leute können ein Lied davon singen, wie Benotung in ihr Selbstwertgefühl spricht. Wir Großen hyperventilieren in einer Leistungsgesellschaft, die uns immer wieder erzählt: Da geht noch mehr. Das ist noch nicht genug. Wir sollen mehr arbeiten, mehr Leistung bringen. – Und dann werden wir krank: in den Knochen, im Magen, in der Seele.
Die Bibel, so altmodisch das Buch erscheinen mag, erzählt eine Menge Geschichten von sehr unvollkommenen, fehlerhaften Menschen. Gott liebt offenbar die Vielfalt. Keine der (Lebens-)Geschichten lässt sich vergleichen. Vergleichen macht uns blind für das Gute, das Gott uns gerade schenkt. Lasst uns aufhören zu vergleichen und stattdessen anfangen zu danken für das, was jeder und jede mit bringt und einzigartig sein lässt.